Bunker im Kellersberger Wald
Heute wirken sie unscheinbar und gut verborgen, doch mitten im Kellersberger Wald befinden sich noch die Überreste ehemaliger Schutzanlagen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Neben heute kaum noch sichtbaren baulichen Spuren berichten Zeitzeugen von einem weiteren Schutzraum, der inzwischen vollständig verschwunden ist: einem Luftschutzstollen unter Kellersberg 2.
Ursprünglich von Bergarbeitern angelegt, diente der Stollen den Bergleuten und ihren Familienangehörigen als Zufluchtsort und lag im damaligen Niemandsland. Die deutsche Frontlinie befand sich rund 300 Meter weiter nördlich, in etwa auf Höhe des heutigen Bahnhofs in Kellersberg. Mit dem Bau des Stollens wurden die in der Südringstraße wohnhaften Bergleute Peter Schier und Hans Odenbreit betraut.

© Toni André
Die erste Bombardierung erfolgte am Morgen des 14. November 1944 zwischen 10:00 und 12:00 Uhr. Ziel der Luftangriffe war die in unmittelbarer Nähe der Bunkeranlage Kellersberg II verlaufende Bahnstrecke. Über diese Strecke ließ die Wehrmacht den für die Waffenproduktion benötigten Koks von der Kokerei Anna zu den Stahlwerken im Ruhrgebiet transportieren. Luftbildaufnahmen vom 18. November 1944 belegen, dass eine fehlgeleitete Bombe die Knabenschule schwer beschädigte und die Verwahrschule vollständig zerstörte.

Vom Oktober 1944 bis zum Ende des Krieges wurde der Stollen zum neuen Zuhause der Kellersberger. In einer Tiefe von etwa 12 bis 18 Metern erstreckte sich das unterirdische System über schätzungsweise 100 bis 200 Meter. Zeitzeugen berichten, dass sich im Inneren nicht nur einfache Aufenthaltsbereiche befanden, sondern auch eine kleine Kirche sowie eine Vorratskammer, die den Menschen in dieser Ausnahmesituation Halt und ein Mindestmaß an Versorgung boten.
In dieser Zeit lebten die Bewohner am Rand des Verhungerns und Verdurstens, da zwischen den Fronten ununterbrochen geschossen wurde und die Beschaffung von Nahrung zu einem täglichen Überlebenskampf wurde.
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© Zeitspuren Alsdorf
Sowohl amerikanische als auch deutsche Soldaten nutzten den Bunker zeitweise, um verletzte oder gefallene Kameraden unterzubringen. So wurde unter anderem ein deutscher Soldat, der durch einen Kopfschuss schwer verletzt worden war, von deutschen Truppen im Stollen abgelegt. Amerikanische Soldaten versorgten ihn notdürftig, jedoch vergeblich. Er verstarb noch in derselben Nacht.1

Dieser Sherman Panzer wurde am 8. Oktober 1944 nahe des Friedhofs Kellersberg von einer PAK getroffen.
Mitte der 1950er Jahre wurde dieser von einem Schrotthändler aus Aachen entsorgt.5
Auch die Zivilisten im Bunker mussten ihren Alltag den Umständen anpassen. So war das Rauchen im Inneren strikt verboten. Während Feuerpausen begaben sich die Raucher daher in Gruppen vor den Bunker. Dass dies keineswegs ungefährlich war, zeigte ein tragisches Ereignis, bei dem fünf Bewohner durch eine deutsche Handgranate getötet wurden.
Zeitzeugen berichten zudem von weiteren schweren Unglücken im Umfeld des Bunkers. Demnach begaben sich Zivilisten wiederholt in den Kellersberger Wald, nahe der damaligen Aachener Bahnlinie, um unter lebensgefährlichen Bedingungen Vieh oder andere Versorgungsmittel für die im Bunker Schutz Suchenden zu beschaffen. Bei einem dieser Versuche kam es zu einer Minenexplosion: Ein Beteiligter verlor dabei ein Bein und wurde von einem amerikanischen Soldaten gerettet, ein weiterer Zivilist kam ums Leben, ein dritter erblindete infolge des Unfalls.6
Heute ist von den ehemaligen Eingängen nichts mehr erhalten. Dennoch finden sich rund um die Überreste des Bunkers weiterhin deutliche Spuren des Zweiten Weltkriegs. Dazu zählen Schützengräben, Granat- und Bombentrichter sowie zahlreiche, im Waldboden verborgene Relikte.

Hinweis: Diese Darstellung dient ausschließlich der Veranschaulichung und ist gegebenenfalls nicht maßstabsgetreu oder vollständig korrekt.
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Trotz aufwendiger und wiederholter Recherchen lassen sich bis heute keine schriftlichen Unterlagen zu dieser Bunkeranlage finden. Weder in offiziellen Archiven noch in militärischen Dokumentationen konnten eindeutige Hinweise auf ihre Planung, ihren Bau oder ihre Nutzung ausfindig gemacht werden. Die vorhandenen Informationen beruhen daher nahezu ausschließlich auf mündlichen Überlieferungen, persönlichen Erinnerungen von Zeitzeugen¹ sowie dem sorgfältigen Abgleich historischer Karten und Luftaufnahmen.

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Eine der wenigen indirekten Quellen stellen alte topografische Karten des Typs DGK5 dar. Ab dem Jahr 1957 findet sich an der mutmaßlichen Stelle des Stollens ein kartografischer Eintrag, der auf eine unterirdische Anlage oder einen Stollen hinweist.

In späteren Ausgaben bleibt dieser Vermerk zunächst bestehen, verschwindet jedoch zwischen den Jahren 1987 und 1991 vollständig aus dem Kartenmaterial. Mit dem Wegfall dieses Eintrags endet auch der letzte offizielle Hinweis auf die Existenz des Stollens.


Neben dem beschriebenen Stollen existierten in Kellersberg mindestens zwei weitere Bunkerstandorte, über deren Entstehung jedoch nur wenige gesicherte Informationen vorliegen.
Entlang des heutigen Westrings, am Hang zum Ofdener Berg, ließ die damalige Familie Scheer in ihrem Garten einen Bunker anlegen. Von dieser Anlage ist bis heute der Notausstieg erhalten geblieben, der in der Nähe des Hundeweihers noch gut sichtbar ist.
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© Zeitspuren Alsdorf
Der Notausgang ist heute leider vermüllt und mit Ästen verfüllt. Dennoch lässt sich ein Rohrsystem erkennen, das mit hoher Wahrscheinlichkeit der Belüftung der Anlage diente.
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© Zeitspuren Alsdorf
Doch damit nicht genug: Etwa 200 Meter weiter befand sich ein weiterer Stollen, von dem heute leider nichts mehr sichtbar erhalten ist. Nur mithilfe von Zeitzeugenberichten und einem geschulten Blick lassen sich auf einem digitalen Geländemodell (DGM) noch Hinweise auf dessen einstige Lage erkennen.
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© Zeitspuren Alsdorf
Ob der rechte Stolleneingang auf dem DGM tatsächlich erkennbar ist oder ob es sich dabei um Überreste eines Schützengrabens handelt, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Eines jedoch ist gewiss: In diesem Bereich wurde damals heftig bombardiert und gekämpft, was sich bis heute an den zahlreichen Bomben- und Granatentrichtern deutlich ablesen lässt.

© Toni André
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Quellen:
[1] https://forum.balsi.de/index.php?topic=7084.0 - Abgerufen am 05.01.2026
[2] https://www.oldhickory30th.com/Zwischen%20den%20Fronten.pdf - Abgerufen am 11.01.2026
[3] https://alsdorf-online.de/geschichte/pdf/kapitel-7.13.pdf - Abgerufen am 11.01.2026
[4] https://www.aachener-zeitung.de/lokales/region-aachen/alsdorf/hastig-gegraben-und-langst-vergessen/4056071.html - Abgerufen am 10.01.2026
[5] Zeitzeuge Franz Swoboda
[6] Zeitzeuge Hubert Wiktorski
Aktualisierungsvermerk:
12.01.2026 - DGK5-Karten ergänzt und die zuvor falsch identifizierte Bunkeranlage entfernt. Nach Aussagen von Zeitzeugen handelte es sich bei dieser Anlage um eine Entwässerungsanlage, die vom EBV gesprengt wurde5. Zeitzeugen Bericht ergänzt.13.01.2026 - Bunkeranlagen Westring und Ringstraße ergänzt.
